Leseforum Schweiz. Literalität in Forschung und Praxis

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Nº. 2015 |3

Literacy at the intersection of family, early learning and school

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Die sprachlichen Praktiken in Familien, vorschulischen Bildungseinrichtungen und in den ersten Schuljahren sind für den Erwerb literaler Fähigkeiten von nachhaltiger Bedeutung. Dabei spielen die Repertoires an Sprachhandlungen sowie die Anregungs- und Unterstützungsleistungen bei ihrer interaktiven Realisierung eine zentrale Rolle: Für den Erwerb früher literaler Fähigkeiten sind Kinder darauf angewiesen, dass in ihren Lebenswelten «mündliche Texte» in ausreichender Häufigkeit vorkommen, und dass sie bei deren Produktion und Rezeption unterstützt werden. Diese Gelegenheitsstrukturen divergieren nicht nur fallspezifisch zwischen einzelnen Familien, sondern auch institutionenspezifisch zwischen Familien, Betreuungseinrichtungen und der Schule. Deshalb muss eine Sprachförderung, die zum Abbau von Bildungsbarrieren beitragen will, allen Kindern Repertoires und Unterstützung für den Erwerb früher literaler Fähigkeiten anbieten.

  • Für die frühe Förderung der Strukturier­ungsfähigkeiten beim Erzählen braucht es Kenntnisse über die Entstehung und Ausdifferenzierung von Kausalitäts­beziehungen, die dem Verständnis von erzählenden Texten zugrunde liegen. Ziel dieser Fallstudie ist es, die Genese der Fähigkeit, Kausalbeziehungen auszu­drücken, bei einem Jungen zwischen 1;11 und 3;4 Jahren nachzu­zeichnen. Die Auswertungsergebnisse von vier Bilderbuchgesprächen zwischen Mutter und Kind weisen darauf hin, dass der Junge bereits mit 1;11 Jahren Kausalitätsbeziehungen zum Ausdruck bringt, die zur Konstruktion makro­struktureller Elemente der Erzählung beitragen. Diese ersten beobachteten Beziehungen stellen eine Vorform von Kausalität dar, bei welcher Ursache und Folge noch gleichzeitig ausgedrückt werden. Sie scheint dem Auftreten von erklärend/retrospektiven und prospektiven kausalen Äusserungen vorauszugehen.

    Im Verlauf der Vorlese­gespräche werden die Kausalitätsbe­ziehungen vielfältiger und komplexer, wobei sich zwei Tendenzen zeigen: von simultanen zu stärker prospektiven Äusserungen sowie von oberflächlichen zu tiefenstrukturell relevanten Äusserungen.

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  • Aus den Videodaten des MeKi-Forschungsprojekts zur alltagsintegrierten Sprachförderung in Spielgruppen und Kitas werden im vorliegenden Beitrag Interaktionssequenzen neu untersucht. Es interessieren Gespräche, die sich auf etwas Häusliches oder Familiäres vom Kind beziehen. Dieses Thema ist für Kinder im Übergang zwischen familiärer Lebenswelt und ausserfamiliärem Bildungsweg besonders bedeutsam. Das Reden über Abwesendes spielt zudem eine wichtige Rolle in der diskursiven Entwicklung der Kinder. Dazu werden theoretische Grundlagen zusammengefasst. Der empirische Blick richtet sich dann kontrastierend auf Handlungsweisen von Fachpersonen in diskursiv ergiebigen und wenig ergiebigen Interaktionssequenzen. Ihre kommunikative Flexibilität, die kommunikative Unterstützung, die sie den Kindern geben, die Übernahme der kindlichen Sicht und die Behandlung der abwesenden Referenten tragen dazu bei, welche kommunikative Rolle dem Kind und welche Relevanz seinen Beiträgen implizit zugeschrieben wird. Anhand von Mikroanalysen von Gesprächsauszügen wird gezeigt, wie die Zuweisung einer mehr oder weniger bedeutsamen kommunikativen Rolle an das Kind zustande kommt.

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