Leseforum Schweiz. Literalität in Forschung und Praxis

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Nº. 2022 |1

Language reflection and literacy

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Sprache wird selbstverständlich als Kommunikationsmittel verwendet, sie formt die Wirklichkeit sowie unser Denken. Sie kann allerdings auch Gegenstand der Reflexion sein. Von diesem Spannungsverhältnis ausgehend, widmet sich die vorliegende Ausgabe von Leseforum.ch der Sprachreflexion:
Das Reflektieren über Sprache und Sprachen ist zunächst Bildungsgut, befördert darüber hinaus aber auch den Erwerb von Bildungs- und ästhetischer Sprache. Sich sachbezogen angemessen ausdrücken zu können bzw. sachbezogene Sprache zu verstehen, ist grundlegend für schulischen Erfolg. Dazu gehört ebenso, sich an der Ästhetik von literarischen mündlichen und schriftlichen Texten zu erfreuen und Sprache zum Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit Literatur zu machen.

  • Der vorliegende Beitrag legt dar, wie mit Bilderbüchern Sprachreflexion im Hinblick auf Sprachbildung betrieben werden kann. Bereits ein Blick auf die kindliche Entwicklung veranschaulicht, dass sich Kinder schon im Vorschulalter für Sprache und ihre Eigenheiten interessieren und erste spontane Erfahrungen mit Sprachreflexion machen. Später werden solche Äusserungen im Unterricht aufgegriffen und die Schüler:innen zunehmend bewusst auf sprachreflexive Begebenheiten aufmerksam gemacht, wie sie zum Beispiel beim Vorlesen und Erzählen von Bilderbüchern auftreten (Abschnitt 1). Der Beitrag beschreibt, wie Bilderbücher mit ihrer modalen Charakteristik zur Sprachreflexion genutzt werden können. Anhand ausgewählter Bilderbücher werden in Abschnitt 2 verschiedene Felder der Sprachreflexion aufgezeigt und deren Verankerung im Lehrplan 21 dargelegt. Wie Sprachreflexion praktiziert werden kann, wird in zwei Unterrichtsideen vorgeschlagen. Dies geschieht anhand der beiden Bilderbücher, «Die Waldlinge» (Stalder, 2020) in Abschnitt 3 und daran anschliessend in Abschnitt 4 für «Die Tode meiner Mutter» (Haslbauer, 2021). Der Beitrag schliesst mit einem Fazit in Abschnitt 5.

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  • Dieser Beitrag befasst sich aus der Perspektive der Mehrsprachigkeitsdidaktik mit der Sprachsensibilisierung japanischer Primarschüler:innen.
    Im Zentrum des Interesses steht die Sprache in Gedichten. Hier stellt sich die Frage, wie sie als Orte künstlerischer Inspiration zum Ausgangspunkt für das Entdecken von Sprachen werden können.
    Um dieser Frage nachzugehen, haben Forschende und Lehrpersonen kollaborativ pädagogische Werkzeuge entwickelt, die Sprachen, Interkulturalität und Mehrsprachigkeit im Unterricht integrieren. Mit dieser Forschungszusammenarbeit soll die Entwicklung von kreativen, interdisziplinären und plurilinguistischen didaktischen Ansätzen zusammen mit Lehrpersonen und für Lehrpersonen befördert werden.

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  • Grammatikunterricht hat auf der Sekundarstufe II in den Gymnasien und Berufsmaturitätsschulen gemeinhin einen hohen Stellenwert, ist aber oftmals nicht situiert und erschöpft sich in der Benennung grammatischer Kategorien. Auf Basis dieser Beobachtung haben wir eine Unterrichtseinheit entwickelt, die einen sprachreflexiven Zugang zu Grammatik an der Schnittstelle zur Textlinguistik eröffnet, und diese in verschiedenen Klassen an Gymnasium und Berufsmaturitätsschule erprobt. Die Einheit ist nach den Prinzipien des dialogischen Lernens nach Ruf und Gallin (1999) gestaltet und hat zum Ziel, das Bewusstsein der Schüler:innen dafür zu fördern, was Kohäsionsmittel für die Verständlichkeit von Texten leisten. Die Unterrichtseinheit ist explorativ angelegt: Als Impuls dienen zwei syntaktisch unterschiedliche Paralleltexte, deren Vergleich zur Sprachreflexion anregt und auch schreibdidaktisch nutzbar gemacht werden kann. Abschliessend wird aufgezeigt, welche Implikationen die gemachten Erfahrungen für den Grammatik- und Sprachreflexionsunterricht auf Sekundarstufe II haben.

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  • In einem Gespräch reflektieren zwei Deutschdidaktikerinnen verschiedenen Fragen rund um den Grammatikunterricht auf der Primarstufe vor dem Hintergrund folgender Problemlage: Für den traditionellen Grammatikunterricht wird zum Teil auch heute noch (zu) viel Zeit auf der Primarschule verwendet, obwohl mittlerweile bekannt ist, dass die Schüler:innen die dafür beanspruchte Lernzeit für Sprachhandlungen wie Lesen und Schreiben dringender benötigen würden und Grammatikunterricht sich sogar negativ auf die Textqualität auswirken kann (vgl. u.a. Philipp, 2012; Graham, Harris & Santangelo, 2015). Mit der Einführung des Lehrplans 21 wurde der rein normative Zugang durch einen reflexiven Ansatz (vgl. «Sprache(n) im Fokus») ergänzt, der neben der Reflexion über Sprachstrukturen insbesondere auch den Sprachgebrauch thematisiert. Jedoch ist für eine reflexive Grammatikvermittlung ein vertieftes linguistisches bzw. sprachsystematisches Wissen seitens der Lehrperson vonnöten, das in einem Bachelorstudium nicht vollends erworben werden kann. Es stellt sich also die Frage, in welcher Form Sprachreflexion auf der Primarstufe sinnvoll und leistbar ist.
    In der Diskussion der beiden Deutschdidaktikerinnen wird die Grammatikvermittlung aus inhaltlicher, methodischer und didaktischer Perspektive problematisiert. Dabei wird der Bereich «Sprache(n) im Fokus» in den Vordergrund gestellt. Erkenntnisse aus dem fachdidaktischen Diskurs und Erfahrungen aus der Lehrer:innenausbildung sowie aus eigener Unterrichtstätigkeit an Primarschulen bilden dabei die Grundlage der Diskussion. Der Beitrag richtet sich an (angehende) Primarlehrpersonen, Deutschdidaktiker:innen, PH-Dozierende und Lehrmittelautor:innen, welche sich für Erfahrungen der Autorinnen mit der Sprachreflexion im Unterricht der Primarschulstufe, fachdidaktische, lernpsychologische und linguistische Überlegungen zum Grammatikunterricht bzw. zur Entwicklung von Grammatikaufgaben interessieren. Herausforderungen wie die Auswahl relevanter Garmmatikthemen, die Art der Grammatikvermittlung – sowohl auf der Primarstufe als auch für angehende Primarlehrpersonen – und Möglichkeiten zur Sprachreflexion im (Grammatik-)Unterricht werden thematisiert und mögliche Lösungsansätze aufgezeigt.

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  • Die neukaledonische Schule will eine inklusive Schule werden und dabei die Vielfalt der Bevölkerung einbeziehen, um den Schulerfolg für alle zu gewährleisten. Die Vielfalt der Bevölkerung widerspiegelt sich unter anderem in den verschiedenen Sprachen.
    Unter einem explizit sozio-konstruktivistischen Ansatz fokussieren wir anhand reflexiver und interkultureller Ansätze den Lernprozess von Lehrpersonen, Studierenden und Schüler:innen. Auf diese Weise soll einerseits ihr mehrsprachiges Repertoire sowie ihr Gebrauch des Französischen sprachlich und kulturell gefestigt und andererseits ihre Autonomie als Lernende bzw. Lehrende gefördert werden.

    Die Sprachsensibilisierung kann je nach didaktischen Zielen sehr unterschiedliche Formen annehmen und sich sowohl an Schülerinnen und Schüler als auch an mehr oder weniger erfahrene Lehrerinnen und Lehrer richten. Mit diesem kontrastiven didaktischen Ansatz kann die sprachliche Vielfalt der Schülerinnen und Schüler genutzt werden: Die Sprachen der Welt werden «in Szene gesetzt» und die Entwicklung von Kenntnissen und Fertigkeiten in der Haupt-Schulsprache ermöglicht. Dieser Ansatz kann besonders interessant sein, wenn es darum geht, das Verhältnis der Lernenden und der Lehrenden zu den Sprachen zu verändern und so zu einem Paradigmenwechsel beizutragen, wie er vom PENC (Projet éducatif de la Nouvelle Calédonie) unterstützt wird.
    Wir stellen didaktisches Material und Projekte zur Sprachsensibilisierung vor, um die Verbindung zwischen Unterrichtssprachen und mehrsprachiger Bildung zu fördern.

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  • Arnaud Hoedt und Jérôme Piron, zwei ehemalige Französischlehrer, die heute als Schauspieler arbeiten, haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihrem Publikum die Absurditäten der französischen Rechtschreibung vor Augen zu führen. Als grosse Sprachverteidiger setzen sie sich für eine bessere Kohärenz der Rechtschreibung und dafür ein, dass bereits in der Primarschule die objektiven Schwierigkeiten der geschriebenen französischen Sprache erläutert werden. Die Informationen, die sie durch ihre Lektüre und ihre Kontakte zu Linguist:innen sammeln, bilden die Grundlage ihrer Darbietungen, mit denen sie dem Publikum die erstaunlichen Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung zugänglich machen. Mit Erfolg: Die beiden Schauspieler beteiligen sich nun aktiv in einem belgischen Beratungsgremium, das sich für tiefgreifende Veränderungen einsetzt, die mit der Annahme der Rechtschreibreform von 1990 eingeleitet worden sind. Der vorliegende Beitrag entstand aus einem Video-Interview mit den beiden Schauspielern.

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  • Mit der Verbreitung digitaler Wissensmedien verändert sich auch der Rechtschreibunterricht. Die Gebrauchsweisen der Kreidetafel haben sich über viele Jahrzehnte hinweg entwickelt und etabliert. Einen solchen Institutionalisierungsprozess haben digitale Medien nicht durchlaufen. Sie entwickeln sich in rasantem Tempo, bieten andere Potenziale und erfordern andere Gebrauchsweisen als analoge Tafeln. In diesem Beitrag fragen wir aus praxistheoretischer Perspektive danach, wie digitale Medien das Geschehen im Rechtschreibunterricht restrukturieren. Dazu werden zwei Rechtschreibstunden, in welchen digitale Wissensmedien (eine Dokumentenkamera und ein interaktives Whiteboard) zum Einsatz kamen, videosequenzanalytisch ausgewertet. Die daraus resultierenden Konzepte werden fallübergreifend verglichen und zu den Ergebnissen einer früheren Studie zum Beitrag der (Kreide-)Tafel zum Vollzug von Rechtschreibunterricht in Beziehung gesetzt. Die für die Kreidetafel gefundenen Bedeutungen lassen sich für die digitalen Medien nur teilweise bestätigen: Sie sind zwar ebenfalls an der Koordination der kollektiven Kommunikation und der Darstellung des Unterrichtsgegenstands beteiligt, die Organisation von Schule und Unterricht sowie die Legitimation schulischen Wissens erfolgen jedoch weiterhin massgeblich über die analoge Tafel.

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