Nº. 1996 |5
Mit dieser Nummer erscheint das Informationsbulletin des Leseforum Schweiz zum fünftenmal. Wir freuen uns, dass es wieder zustande gekommen ist und nun schon auf einer gewissen Kontinuität aufbauen, mit einem guten Kreis von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, von interessierten Leserinnen und Lesern rechnen kann.
Tradition hat inzwischen auch die inhaltliche Mischung, die Gruppierung der Beiträge aus verschiedensten Forschungsgebieten und praktischen Bereichen um das Thema Lesen. So heterogen die Ansätze und Blickwinkel erscheinen, so überraschend ergeben sich Querbezüge, was zumeist auf besonders aktuelle Probleme hinweist. more ...
In diesem Heft werden vor allem die Ergebnisse der internationalen Studie «Literacy, Economy and Society» interessieren und nachdenklich stimmen, zu der die Referenten François Stoll und Philipp Notter die Schlussfrage formulieren müssen:«Kann der Forschungs- und Entwicklungsplatz Schweiz sich eine so dünne Basis von hochkompetenten Lesern leisten?»
Gleichsam dem andern Rand des Leserspektrums gelten die meisten Aufsätze des Bulletins: Leseschwächen, deren spezifische Ursachen in neuerdings aufgearbeiteten neurophysiologischen Zusammenhängen wurzeln und entsprechend angegangen werden können, schildern die Beiträge von Peter Haase und David Pestalozzi. Hilfestellungen für funktionale Analphabeten werden im Projekt von Patrick Minder beschrieben; wie nötig hier neue, breitere Anstrengungen sind, illustriert der Bericht eines persönlich Betroffenen: «Ich musste meinen Zustand verstecken und fühlte mich von der Gesellschaft missverstanden».
Wie wertvoll der Einbezug von Schriftlichkeit in die Arbeit mit schwer psychisch behinderten Kindern und Jugendlichen sein kann, zeigt Martine Liardet in ihrem eindrücklichen Beitrag.
Ein mehrfach präsentes Thema bleibt «Lesen und Schreiben» vor dem Hintergrund der Zweisprachigkeit: im viersprachigen Land, in der multikulturellen Gesellschaft. Einem der hier interessierenden Aspekte widmet sich die von Regula Schmidlin und Mirjam Egli referierte Basler Studie zur unterschiedlichen Sprach-, Lese- und Schreibentwicklung bei ein- und zweisprachigen Kindern; ein anderer betrifft die Praxis des Zweitsprach-Unterrichts, die Edmée Runtz-Christan unter die Lupe nimmt.
Und schliesslich korrespondiert das von Andrea Bertschi-Kaufmann vorgestellte Projekt «Leseförderung und Leseentwicklung» direkt mit dem engagierten Beitrag der Primarlehrerin Christina Schuppli, «Einfach so», die an das einfachste und deshalb oft vernachlässigte Faktum erinnert, dass für das Kind Lesen- und Schreibenlernen nur dann sinnvoll sein kann, wenn ein Ansprechpartner da ist, der sich nicht nur für seine Fortschritte in den neuen Techniken interessiert, sondern für den Sinn seiner Mitteilungen und für seine Denkwege.
Barbara Helbling, Anna Katharina Ulrich